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Die Umzieher

Umzug im Alter: „Wir haben es nicht bereut“

Nahezu ihr ganzes Leben haben Renate und Eckhard Blaufelder in Parchim in Mecklenburg-Vorpommern gelebt. Eine Eigentumswohnung und ein Wochenend-Haus am See waren ihr Zuhause. Hier haben sie ihre beiden Kinder großgezogen, ihre Freundschaften gepflegt und ihren großen Garten genossen. Die Entscheidung, nach mehr als 70 Jahren den Umzug nicht nur in eine kleinere Wohnung, sondern in eine andere Stadt zu wagen, ist den beiden nicht leicht gefallen.

Renate (80) und Eckhart Blaufelder (80) sagen: „Wir wollten den Umzug ursprünglich gar nicht. Schließlich war alles, was uns lieb ist, in Parchim. Bis auf unsere beiden Kinder. Die haben nach dem Fall der Mauer Arbeit in Westdeutschland gefunden und sind nach Hamburg bzw. in die Nähe von Münster gezogen. Die Wohnung, das Haus, der große Garten: Uns wurde schmerzlich bewusst, dass wir all das irgendwann nicht mehr allein bewältigen können. Nochmal ganz woanders fernab von allem neu beginnen? Den Garten aufgeben? Das ist uns wirklich schwer gefallen und so hat es auch fast zwei Jahre gedauert, bis wir uns entschieden hatten.

Besonders schwer ist es uns gefallen, uns von vielen Gegenständen zu trennen. Es hängen schließlich immer auch Erinnerungen und Emotionen an Möbelstücken oder Büchern. Zum Glück konnten wir beim Verkauf unserer Wohnung und des Wochenendhauses viel des Mobiliars mitveräußern, unter anderem maßgefertigte Schränke, die Werkbank, Gartenmöbel und Werkzeug. Einiges haben wir verkauft oder zum Antiquariat gegeben. Und natürlich haben unsere Kinder etwas behalten. Der Rest ging auf den Sperrmüll oder zum Schrotthandel.

Der Umzug selbst wurde schließlich auch noch recht stressig. Noch bevor wir wussten, dass wir Umziehen würden, hatten wir eine Flusskreuzfahrt für Herbst 2013 gebucht. Und die war nun just kurz vor unserem Umzug im Oktober nach Hamburg. Das hat uns schon unter Stress gesetzt, aber auch das haben wir bewältigt. Man muss die Dinge eben nehmen, wie sie kommen und das Beste daraus machen.

Inzwischen leben wir seit Oktober 2013 in Hamburg in einer kleinen, altersgerechten Wohnung mit Balkon. Wir mussten uns deutlich einschränken, viele lieb gewonnene Gegenstände und Möbel konnten wir nicht mitnehmen. Und dennoch war es die richtige Entscheidung. Nah bei den Kindern zu sein, alles selbst bewältigen zu können und kurze Wege zu Supermärkten, Ärzten und allem wichtigen, was das Leben leichter macht, zu haben, ist wertvoll und trägt dazu bei, dass wir selbständig bleiben können. Zeitgleich haben wir die Gewissheit, auf unsere Kinder vertrauen zu können und ihre Unterstützung zu haben.

Wir haben anfangs viel vermisst, aber man muss weiter denken und heute sagen wir beide aus Überzeugung: Wir hätten die Entscheidung zum Umzug viel früher treffen sollen. Wir wohnen in einem neu entstandenen Wohnviertel direkt an einem Park, haben neue Freunde gefunden, die gleich nebenan leben und auch aus unserer Heimat stammen: Wir fühlen uns hier richtig gut aufgehoben. Es ist eben nie zu spät für Veränderungen.“ 
Die Umzieher - Ein Ehepaar steht in einem Wohnzimmer
Die Umzieher - ein Ehepaar steht auf einer Terrasse



Text: Meike Lücke
Quellenangabe Fotos: @privat