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Wasserrettung statt Urlaub

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Vanessa Vogel aus Witten in Westfalen kommt quasi seit ihrer Geburt jeden Sommer an den DLRG-bewachten Strand im Ostsee-Kurort Damp. „Meine Eltern sind beide Rettungs­schwimmer und haben hier jedes Jahr Wasserrettungsdienste übernommen“, erzählt die 25-Jährige. Mit 15 war sie als Praktikantin, mit 16 das erste Mal als Rettungsschwimmerin mit am Strand und ist daran gewachsen. „Wenn man als Jugendliche kleine Kinder beruhigen muss, die ihre Eltern suchen, oder aufgebrachte Eltern, die ihre Kinder vermissen, merkt man schnell, ob einem die Arbeit mit Menschen liegt“, erklärt sie. Das Strandpublikum in Damp ist eher ruhig - viele Familien und vor allem Kurgäste, die auch mal darum bitten, ins Wasser begleitet zu werden. Oft zwei, eher drei Wochen sind die DLRG-Rettungsschwimmer an der Küste. Während ihres regulären Urlaubs arbeiten sie dann ohne einen freien Tag durch. „Das ist schon ganz schön anstrengend“, macht Vogel deutlich, „aber mit den richtigen Leuten macht es auch sehr viel Spaß.“
In Witten fand sich eine ganze Gruppe Gleichgesinnter im gleichen Alter. Viele haben sich auch beruflich als Ärzte, Feuerwehrleute oder in der Krankenpflege für soziale Berufe entschieden. Über die Strandwache knüpften sie bundesweit Freundschaften mit ähnlichen Gruppen, die oft bis heute halten. „Wegen Job und Familie können jetzt nicht mehr alle mitfahren, aber es kommen zum Glück immer wieder neue, nette Menschen dazu und wir sind ein tolles Team“, erklärt die junge Frau. Kaum ist sie vom Wasserrettungsdienst zurück, kommen oft schon die Anfragen für die gemeinsame Fahrt an die Küste im folgenden Jahr. Zuhause in Witten investiert sie zirka zwei bis drei Stunden pro Woche, um Ret­tungs­schwimmer auszubilden, Lehrkräften die richtigen Rettungstechniken beizubringen oder um Schülern die richtigen Schwimmtechniken für ihr angestrebtes Sportstudium zu vermitteln. Außerdem sichert die DLRG-Abteilung Sportveranstaltungen wie Regatten und Drachen­boot­rennen auf der Ruhr.
Sebastian Beck kam als Jugendlicher über das Schwimmen zur DLRG in der Nähe von Kassel und sicherte unter anderem drei Sommer lang die Strände auf Fehmarn und in Scharbeutz. Heute ist arbeitet er bei der Provinzial und ist stellvertretender Vorsitzender der DLRG Kiel mit rund 700 Mitglieder. „Ich kümmere mich unter anderem um Webseite und Öffentlich­keits­arbeit sowie - das war irgendwie gesetzt - um die notwendigen Ver­si­che­rungen“, berichtet er. Ein bis zwei Abende pro Woche investiert der Familienvater dafür und sichert rund 15 Tage im Jahr Regattaveranstaltungen ab. Beim Training in der Halle, sehen ihn seine Kameraden allerdings kaum. „Es wurde schon vermutet, dass ich gar nicht schwimmen könnte“, erzählt er augenzwinkernd, „dabei mag ich nur das Chlor nicht.“
Von Anfang an interessierte er sich vor allem vor allem für die Bootstechnik und ist heute bei den meisten Einsätzen als Bootsführer aktiv. „Noch lieber fahre ich aber als einer von zwei sogenannten Bootsgasten mit, die sich im Notfall um die eigentliche Rettung kümmern“, verrät er. Die Kieler DLRG bewacht keine eigenen Strände, sondern ist vor allem bei Regatten und anderen Veranstaltungen am und auf dem Wasser gefragt. Pro Jahr deckt die Gliederung mehr als 200 Bootstage ab und muss dabei auch die gestiegenen Sicherheitsanforderungen berücksichtigen. „Wir haben beispielsweise die Kanuwettbewerbe bei den Special Olympics in Kiel abgesichert“, erzählt Beck, „da wurde das Sicherheitskonzept vom Land direkt aufs Wasser übertragen.“
Dag Kuhlemann ist in vielen Bereichen zuhause und neben seinem Amt als Schatzmeister der DLRG Eckernförde unter anderem in der Wasserrettung sowie in der Schwimm- und Bootsausbildung aktiv. Als Jugendlicher kam er durch einen Klassen­ka­me­raden zur DLRG in Braunschweig. „Das fand ich damals cooler als den Schwimm­sport meines Vaters“, erinnert er sich. Wie Sebastian Beck übernahm er in den Sommermonaten die Strandwacht an der Küste und lernte so auch seine Frau kennen. Als beide einen Job im Norden bekamen, wechselten sie zur DLRG nach Eckernförde. Zwei der vier Kinder sind heute ebenfalls aktive Ret­tungs­schwimmer. „Das ist super, war aber kein Zwang“, erzählt Kuhlemann lachend, wird dann aber wieder ernst, „wichtig war uns, dass sie alle sichere Schwimmer sind, schon weil wir viel Zeit am Strand verbracht haben.“
Zu schnell kann es passieren, dass jemand in Not gerät. Gerade an heißen Sommertagen ist am und im Wasser viel los und die Strandwache hat es in sich. „Zwischen den Wachtürmen liegen 800 bis 1.000 Meter und wir müssen alle im Blick haben, die Mütter mit Kleinkindern im flachen Wasser, ebenso wie den Schwimmer, der weiter draußen allein seine Bahnen zieht und die Gruppe Jugendlicher, die sich ordentlich kabbeln“, so Kuhlemann. Pro Turm sind meistens zwei Retter eingeteilt, die ihre Aufgaben stündlich wechseln. Während sich einer um kleinere Probleme wie Schnittwunden oder verloren gegangene Kinder kümmert, scannt der andere vom Turm aus das Geschehen. „Wir sind immer auf Stand-by und müssen im Notfall von Null auf Hundert voll da sein“, beschreibt Kuhlemann die Situation.
  • DLRG_Schimmkurs

Schwimmunterricht fördern

Glücklicherweise können die Rettungsschwimmer viele Gefahren von vornherein klären und abwenden. Diese präventiven Maßnahmen gehen in keine Statistik ein, doch auch so leisteten die 40.000 Rettungskräfte der DLRG im Jahr 2017 allein 48.838-mal Hilfeleistungen für Personen. Häufig war Selbstüberschätzung der Grund für die Notsituationen. Sorge macht der DLRG aber auch die sinkende Zahl an Schwimmprüfungen. Immer mehr Schwimmbäder werden geschlossen, so dass die für den Schwimmunterricht notwendigen Kapazitäten fehlen. In Eckernförde müssen Kinder deshalb bis zu zwei Jahre auf einen Platz im Anfängerkurs warten. „Wir würden gern mehr Schwimmkurse anbieten, auch um den eigenen Nachwuchs zu sichern und zu fördern“, erklärt er.

Tipp

Ertrinken ist erschreckend leise. Anders als im Film haben Ertrinkende keine Kraft mehr, selbst um Hilfe zu rufen, sondern höchstens schnell nach Luft zu schnappen, wenn sie sich wieder an die Wasseroberfläche gekämpft haben. Was jeder tun kann…
Ab 16 Jahren dürfen die Jugendlichen Wachdienste übernehmen. Wer vorher schon das Rettungs­schwimm­abzeichen in Gold abgelegt hat und schon Erfahrungen sammeln möchte, macht beim Jugendeinsatzteam (JET) mit und darf bei der Überwachung der Strände helfen. „Bei Rettungsaktionen dürfen die Juniorretter jedoch nur zuschauen und sind an ihren grünen T-Shirts gut von den eigentlichen Rettern zu unterscheiden“, erklärt Kuhlemann. Regelmäßig finden Wettbewerbe statt, in denen der Nachwuchsretter sein Können unter Beweis stellen kann. Dabei gilt: Retten ist Teamarbeit, am Strand ebenso wie auf dem Wasser. „Bei Rettungseinsätzen muss jeder wissen, was er zu tun hat und welche Aufgaben die anderen übernehmen“, betont er. Alle Einsätze werden im Nachhinein besprochen und auch für die erfahrenen Retter gibt es psychologische Hilfe für die zum Glück seltenen Fälle, in denen eine Person nicht mehr lebend gerettet werden konnte.


JtfO_Buehne


Lesetipp „Jugend trainiert für Olympia“

Der deutsche Schulsportwettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ ist der größte seiner Art weltweit. Seit 1969 zeigen dabei jährlich 800.000 Schüler ihr Können in verschiedenen olympischen Diszipli­nen.

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Text: Beatrix Richter
Quellenangabe Fotos/Video: Hauptbühnenbild (DLRG Kiel), Bühnenbild "Von Westfalen an die Küste" (Vanessa Vogel), Bühnenbild "Sportregatten absichern" (DLRG Kiel), Bühnenbild "Strandwache hat es in sich" (Beatrix Richter),
Bühnenbild "Schwimmunterricht fördern" (DLRG), Bühnenbild "Jugendeinsatzteam JET" (DLRG), Video "JET" (DLRG Schleswig-Holstein)